Von Babyrobben, Löwen und Gazellen

The article below (in German) is written by Julia Kofler, Language Rich Project Manager in Belgium. On 21 March, she went to hear Professor Louis-Jean Calvet speak on the subject of language policy today at a lunchtime conference organised by Alliance Française in the European Parliament.

Les politiques linguistiques aujourd’hui – Die Sprachenpolitik heute

Eine Mittagspause mit Louis-Jean Calvet im Europäischen Parlament, organisiert von der Alliance Française und der Organisation Internationale de la Francophonie

Das Foto, welches auf der Einladung zur Konferenz abgebildet ist, zeigt einen nachdenklichen, fast streng blickenden Herrn in blauem Hemd und grauen Haaren. Ob das einer gelungenen Mittagspause zuträglich ist? Professor Calvet ist, erfreulicherweise, gar nicht der doktrinierende Dozent des Vorlesesaals früherer Unistunden, nein, Professor Calvetss Vortrag war, nach einer zähen Einleitung der Organisatoren, überaus unterhaltsam und, sprachlich gesehen, äusserst bilderreich.

Autor des Buches « La guerre des langues », Louis-Jean Calvet, ehemaliger Professor der Soziolinguistik an der Pariser Sorbonne und nun Professor an der Universität der Provence, ist ein Vertreter und Verfechter der Mehrsprachigkeit und untersucht das Verhältnis zwischen – und jetzt auf französisch : le discours linguistique et le discours colonial sur les langues, puis les liens entre langue et pouvoir. Oder: das Verhältnis zwischen Sprache und Macht folgend dem Sprachendiskurs und dem Kolonialdiskurs über Sprachen.

Louis-Jean Calvet ist auch Autor des französischen Language Rich Europe Essays und weiters Erfinder des « Barometre Calvet des Langues du Monde », welches auf der Website www.portalingua.info getestet werden kann. Die französische Zeitung l’Express titelt hierzu : « Louis Jean Calvet a invente un barometre des langues », und erklärt:

Si l’on parle souvent de l’importance d’une langue en terme de nombre de locuteurs, Calvet démontre que ce n’est pas forcément le facteur le plus important. Si l’on enlève ce facteur, certaines langues bien placées, comme le mandarin qui est en tête si l’on ne prend en compte que ce facteur, voient leur position dégringoler dans le classement et d’autres facteurs, comme la pénétration d’Internet, peuvent permettre à des langues peu parlées comme le suédois, d’arriver en tête du classement. (http://www.lexpress.to/archives/6008/)

Die Website und der Barometer wurde von Professor Calvet zusammen mit seinem Bruder, von Beruf Mathematiker und Statistiker, entworfen. Ein Dream-team also, das Sprachenpolitik und-gebrauch effizient und benutzerfreundlich darzustellen vermögt. So wurden während des Vortrags Elemente wie “competition par exploitation” und “competition par interference” vorgestellt, wobei man sich Ersteres vorstellen muss wie – Achtung, jetzt kommt die erwähnte Bildersprache- eine Wasserstelle in der Afrikanischen Steppe. An dieser besagten Wasserstelle trinken gerne Gazellen, aber nur, wenn nicht gerade ein Löwe dasselbe zu tun gedenkt. Die Gazellen sind zwar vorsichtig, aber die Präsenz des Löwen vertreibt sie nicht vollkommen, nein, es ist vielmehr so, dass die Steppenbewohner nebeneinander lebend ein Equilibrium gefunden haben. Genauso verhält es sich mit dem “modèle gravitationnel”, wo dominierenden Sprachen – auch hyperzentrale Sprachen genannt ( z.B. Englisch und superzentrale (z.B. Französisch) und periphäre Sprachen (Korsisch) ko-existieren ohne sich negativ zu beeinflussen. Deswegen, so Professor Calvet, ist es von wenig Nutzen, superzentrale und periphäre Sprachen zu verteidigen “comme les bebes phoques (wie Babyrobben), es mache vielmehr Sinn, ein Gleichgewicht aller Sprachen anzustreben. Wie das gemacht werden kann und welche Faktoren dabei zählen, kann man selbst am Sprachbarometer testen.

Um nun auf die Frage der gelungenen Mittagspause zurückzukommen, ja, es waren zwei gut genutzte Stunden, der Geist wurde genährt, nur der Magen kam zu kurz.

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